Welchen Wert hat 2024 ein Foto noch ? - meine persönliche Betrachtung

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Welchen Wert hat 2024 ein Foto noch  ?  - meine persönliche Betrachtung

Spitzen-Technologie (für kleines Geld) in Kameras  (gerade auch in Smartphones), Photoshop und AI-Software, hat die Verfügbarkeit von Bildern sehr stark erhöht.
Wir haben heute eine Inflation der Bilder über alle Medien hinweg und auch im privaten Bereich, wodurch wir einer permanenten Übersättigung unterliegen.
Einzelne Fotos bekommen weniger Aufmerksamkeit und schaffen es immer weniger Eindruck zu hinterlassen. Die Aufmerksamkeitsspanne auf Social Media liegt heute bei einem Foto im Schnitt bei 0.4 Sekunden.

Welchen Einfluss hat die Entwicklung anderer Medienformen auf die Fotografie?
Mit der Verbreitung von Videoinhalten, Augmented Reality und anderen Medienformen haben Fotos in einigen Bereichen möglicherweise an Bedeutung verloren, da sie nicht mehr die einzige Möglichkeit sind, Erinnerungen festzuhalten oder Informationen zu vermitteln. Es ist auch einfacher eine Geschichte in einem Film zu erzählen, wo ich Bewegung und Ton als 4′te und 5′te Dimension zur Verfügung habe als in einem Foto oder auch in einer Fotostrecke. Was dabei verloren geht, ist Raum zu lassen für die eigene Fantasie des Betrachters, das ist glaube ich so ähnlich wie der erlebte Unterschied zwischen “eine Geschichte durch Lesen eines Buches innerlich erleben” oder “mich ins Kino setzen und die Verfilmung des Buches in 2h zusammengefasst” erleben.

In einigen Bereichen des Lebens haben Fotos – aus meiner Sicht – nach wie vor einen großen Wert, insbesondere in der professionellen B2B Fotografie, der Kunstwelt und der Dokumentation von wichtigen Ereignissen und Momenten.
Für mich gibt es immer wieder Momente in meiner Arbeit, wo ich sehen kann das ein Foto so viel mehr an Emotionen transportieren kann, als ein Film, eben weil es diesen einen (feinen) Moment festhält, der oft nur den Bruchteil einer Sekunde andauert und in einem Film komplett untergehen würde, weil für das Auge nicht bewusst wahrnehmbar ist.
Letztendlich hängt der Wert eines Fotos aber glaube ich stark von seinem Kontext und der Bedeutung, die der Betrachter den Fotos gibt, ab.

Welchen Wert haben Fotos für  die tägliche Berichterstattung?
Viele Presse-Fotos werden heute oft von Hobbyfotografen gemacht, Dank der Technik bekommst Du heute ja auch relativ einfach mittelmäßigen Fotos hin und die reichen allemal für die meisten Zeitungen und Magazine. Die Redaktionen legen heute mehr Wert auf das schnelle Foto als auf richtig gute Fotos morgen ist die Nachricht ja eh schon wieder alt…”. Wer diese eine Szene als Erstes hat, bekommt die meisten KLICKS… und da die meisten Printmedien mittlerweile auch online unterwegs sind, spielt das eine sehr wichtige Rolle in der Zusammenarbeite mit den Redaktionen.

Mir wurde sogar schon von einem Chefredakteur einer Wochen-Zeitung gesagt, bitte machen Sie keine künstlerischen Fotos, die brauchen wir hier nicht

Etwas anderes kann es sein, wenn Du für Zeitungen wie Die Zeit oder die NZZ fotografierst, wo in einer Reportage, das Bild und der Text einen engen Zusammenhang bilden und einander ergänzen sollen, ja wo sich der Text sogar oft am gemachten Bild orientiert und wo in der  Aussagekraft eines Fotos ein großer (Mehr)Wert gesehen wird.

Die monetäre Wertschätzung durch die Presse-Medien ist eher gering. Wobei man den Redaktionen zugutehalten sollte, dass diese heute in einem immensen Verdrängungs-Wettbewerb stehen und der Kostendruck unglaublich hoch ist.

Ich mache heute Konzert- und Sport-Fotografie (Fußball-Bundesliga, Marathon, MTB-Rennen, Basketball,..) nebenbei, einfach weil ich daran Spaß und die Zeit dafür habe, also aus reiner Leidenschaft, es tut mir gut und dabei entstehen “meine geilen” Fotos. Ich kann das aber nur tun, weil ich finanziell nicht darauf angewiesen bin und es eine Nachfrage in den Medien für die Berichterstattung gibt, über die ich meine Akkreditierungen bekomme. Daher ist es für mich ein Win-Win Verhältnis, die Redaktionen haben ihre Fotos (für kleines Geld) und für mich ist es der Erlebnis-Faktor.


Link zu den Fotos vom Johannes Oerding Konzert auf dem ZMF Freiburg:
https://frank-scherer.de/gallery/homeside/tm_pg_album/johannes-oerding/

Ok, Du sparst Dir die Eintrittskarte und Deine Bilder erscheinen in der Presse mit Deinem Namen darunter (falls einem das etwas bedeutet…).
Also mache ich es für Ruhm und Ehre?
Ich glaube, ganz am Anfang war das noch so.  Wenn ich heute gute Fotos schieße, entsteht in mir weniger das Gefühl von Stolz, sondern so ein Gefühl von innerer Wärme, das sehr unabhängig von der Bewertung anderer daherkommt. Aber klar, wenn andere Fotografen, die ich sehr schätze zu mir sagen, das ist ein richtig geiles Foto, dann gibt es schon auch dieses innere Grinsen und ein Gefühl der Freude.

Ähnliches gilt übrigens auch in der Fußball-Bundesliga, die Beträge, die hier bezahlt, werden pro Bild von den Agenturen sind so minimal, dass davon heute niemand mehr wirklich leben kann, außer Du fotografierst z.B. für die DPA, bist fest angestellt und machst nicht nur Sportaufnahmen, sondern auch Politik oder andere Bereiche.

Bilder vom letzten Europa-League Spiel des SC Freiburg findet ihr unter diesem Link
https://frank-scherer.de/gallery/homeside/tm_pg_album/fussball-europa-league/

Auch hier weiß ich aus zahlreichen Gesprächen, dass es viele sehr junge Kollegen gibt im Fußball-Stadion, die das aus reiner Leidenschaft und Freude machen, aber nicht für Geld (sie müssen ja auch nicht davon leben…).

Ich mache heute Konzert- und Sport-Fotografie nebenbei, einfach weil ich Freude daran habe und weil ich durch die Konzerte, Festivals und die Fußball-Bundesliga auch immer wieder coole Menschen treffe 🙂

 

 

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